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Preis und Buhrufe für Frei.Wild

Posted: April 8th, 2016 | Author: | Filed under: Allgemein | No Comments »

„Seit Jahren wird der Südtiroler Band Frei.Wild eine Nähe zur rechten Szene vorgeworfen. Ihre Auszeichnung als beste Rock-Alternative-Band bei der Echo-Gala in Berlin löst deshalb nicht nur in den sozialen Medien Unverständnis aus.

Bei der 25. Echo-Verleihung hat die Schlagersängerin Helene Fischer alle überholt: Sie räumte ihren insgesamt 16. Echo ab. So viele Trophäen des Musikpreises hat bislang niemand eingeheimst – und doch dominierte bei der Echo-Gala ein anderes Thema: Denn die umstrittene Deutschrock-Band Frei.Wild gewann den Echo in der Rubrik „Rock/Alternative National“. Noch vor drei Jahren hatte man die Band, die regelmäßig mit Nationalismusvorwürfen konfrontiert wird, von der Nominierungsliste gestrichen, nachdem andere Musiker mit einem Boykott gedroht hatten. …“

Quelle: www.deutschlandradiokultur.de/echo-verleihung-2016-preis-und-buhrufe-fuer-frei-wild

Was ist die Kritik an der Band Frei.Wild?

netz-gegen-nazis.de schreibt in einem Artikel über die Band, indem es um einen rechtlichen Streit zwischen der Band „Frei Schnauze“ und „Frei.Wild“ geht:

„… Inhaltlicher Hintergrund des Streits sind die nationalistisch-völkischen Inhalte der Lieder und die rechtsoffene Attitüde der Band „Frei.Wild“, die aktuell als legitimer Nachfolgeband in die Fußstapfen der „Böhsen Onkelz“ getreten ist und nun das Feld der „patriotischen Popkultur“ äußerst erfolgreich bearbeitet. So schoß ihr letztes Album „Gegengift“ (2010) in der Woche des Erscheinens auf Platz 2 der deutschen Albumcharts, aktuell spielt die Band auf diversen großen Festivals.

Das ist möglich, weil sich die Bandmitglieder als ehrliche, bodenständige Rebellen inszenieren, die mit ihren Songs exzessiv ein „Wir-gegen-Euch“-Gefühl bedienen – wobei „wir“ der „kleine Mann“ ist und „ihr“ die (feindliche) Politik, aber auch „wir“ die Unangepassten und „ihr“ die Menschen, die in Schubladen denken.

Taktik: Wind aus den Segeln nehmen

Zu denen gehören „Frei.Wild“ selbstredend nicht. Die Band betont stets, wie frei sie von allem sind, und so ist es nur folgerichtig, dass sie ihre Musik als völlig unpolitisch präsentieren. Überhaupt haben sie es perfektioniert, misstrauischen Menschen von vorn herein den Wind aus den Segeln zu nehmen – schließlich soll dem – auch kommerziellen – Erfolg keine politisch rechte Festlegung im Wege stehen. So sprechen und singen die „Frei.Wild“ler gern darüber, dass sie keine Nazis sind und keine sein wollen. Die Taktik, sich gegen „Nazi-Sein“ zu verwehren, um rechtsaffine Inhalte ungestört verbreiten zu können, ist in der Szene nicht unüblich. Zum taktischen Geschick der Band gehört auch, die neonazistische Vergangenheit von Sänger Philipp Burger als „Jugendsünde“ zu verpacken. Damals sang er bei der Skinhead-Rechtsrockband „Kaiserjäger“, die aber längst aufgelöst ist. Wer kann gegen so viel Offenheit etwas einzuwenden haben? Argumentativ schwieriger war es da schon, das Engagement Burgers 2008 bei der „Freiheitlichen Jugend“ der rechtspopulistischen Südtiroler Partei der „Freiheitlichen“ zu erklären – gibt sich die Band doch sonst so politikfern.

Woher kommt der rechte Erfolg?

Allerdings gibt es auch darüber hinaus Gründe, dass die Band auch in rechtsextremen Kreisen gut gelitten ist und ihr Erfolg als Beweis gefeiert wird, dass patriotisches Denken unter Jugendlichen wieder im Kommen sei. Denn die Text von „Frei.Wild“ sind nicht unpolitisch. Die Mitglieder von „Frei.Wild“ sind in Norditalien beheimatetet, bezeichnen sich aber konsequent als Südtiroler, die ihr Deutsch-Sein als Minderheit besonders pflegenswert finden. Dies drücken sie auch in Texten aus, die völkisch-nationalistisches Klischeebilder bedienen. Im Song „Wahre Werte“ kulminiert das in der Zeile „Wo wir leben, wo wir stehen, ist unser Erbe, liegt unser Segen; Heimat heißt Volk, Tradition und Sprache, für uns Minderheiten eine Herzenssache.“ und später „Sprache, Brauchtum und Glaube sind Werte der Heimat, (…) ohne sie gehen wir unter, stirbt unser kleines Volk.“

Auch Feindbilder braucht man nicht lang zu suchen. So wird in „Land der Vollidioten“ beklagt: „Kreuze werden aus Schulen entfernt, aus Respekt vor den andersgläubigen Kindern.“ In dem Song geht es übrigens darum, alle als Idioten zu bezeichnen, die solchen Patriotismus mit Nazitum gleichsetzen – man liebe doch nur sein Land. Dass diesen Abschottungsfantasien sich immer gegen andere wenden – und in diesem Fall wird eine islamfeindliche Argumentationen schon mitgeliefert – , wird so angenehm ausgeblendet. Es ist eine Debatten, die wohl jeder kennt, der im Leben oder im Internet schon einmal mit Rechtsaußen-Menschen debattiert hat.
Dazu passt argumentativ auch, dass der „Frei.Wild“-Sänger in Interviews erklärt, Nazi-Skinheads seien auf „Frei.Wild“-Konzerten willkommen. Er wolle niemanden ausgrenzen, nur weil der anders denke. …“

Quelle: www.netz-gegen-nazis.de/artikel/markenrecht-oder-meinungsfreiheit-freiwild-gegen-frei-schnauze

Auch interessant: Nationalismusvorwürfe gegen die Band Frei.Wild

Auch sehr gut – die Broschüre zum Thema: www.aspberlin.de/projekte/grauzonen.html